Der schaukelnde Raum

„Das Schiff, das ist die Heterotopie schlechthin. In den Zivilisationen ohne Schiff versiegen die Träume […].“
Wenn mensch in das Atelier von Michel Schmollgruber eintritt, tritt er zugleich in eine Heterotopie, einen anderen Ort, findet sich wieder auf einem Schiff oder eben weniger (Das hängt auch von den träumenden Füßen der Betreter:in ab).

Feigenbaumszenario Ausschnitt: Collage, Fotoplakat, geknüpfter Wandteppich. © michelle schmollgruber

Dieser schaukelnde Raum, oder ist es mehr ein Wiegen?, weiß um das Meer, um die Gezeiten und vor allem um die Über_setzung. Von einem Ufer zum anderen, ohne davor genau zu wissen, wie sich das Ankommen zeigen wird. Einzig ein digitales Foto als Vorlage weist den Weg, den Michel Schmollgruber knüpft: Ein Verknüpfen von Fäden, jeder Knoten einzig, jede Zeile einzig, wie Pixel, Knoten für Knoten. Das Ankommen nach langer Zeit mit einem Wandteppich, oder ist es ein fliegender? Gewiss ist es ein Teppich der die Träume hütet, das Träumen mit den Händen, mit den Fingern, mit den Blicken, mit der Zeit, die eine verflogene Zeit in eine andere einfädelt.
Auf diesem Schiff beginnt mensch zu träumen und zu verknüpfen. All die wenigen arrangierten Dinge im Raum verweisen aufeinander, untereinander letztlich auf Michelle Schmollgruber. Sie ist die Künstlerin, die über_setzt. Das Über_Setzen mit den Fäden von dem einem Zeitufer in ein anderes. Dazwischen das Wiegen im Raum für sich allein, Virginia Woolf schreibt wohl von einem Zimmer für sich allein. Gewiss würde in ihrem Raum ein Wandteppich von Schmollgruber gehängt haben, das an ein digitales Foto aus einer längst vergangenen Zeit erinnert, während sie 1992 darüber schrieb woran Schmollgrüber heute knüpft: gegen das Versiegen von Träumen. (Text: Judith Klemenc)

Nach oben